Wege aus der Krise – Laufen als Therapie

Wie Laufen auf Körper, Geist und Seele wirkt?

Ich war 7 Jahre alt, als mein schlimmster Albtraum begann. Mein damaliger Stiefvater missbrauchte mich immer und immer wieder. Ich hatte das Gefühl, meine Seele zu verlieren. Das, was man Kindheit nennt, die Unbeschwertheit und Fröhlichkeit war abrupt vorbei.

Von Jörg Schimitzek

Heute mit ich 49 Jahre alt und spreche seit 2012 öffentlich über die Jahre meiner Traumatisierung. Ich habe einen Weg gefunden meine Lebenskrise zu meistern. Sexueller Missbrauch endet irgendwann, die Probleme mit denen wir Betroffenen uns zeitlebens auseinandersetzen müssen bleiben. Die Folgen der Taten äußern sich sehr unterschiedlich und vielschichtig. Sie reichen von Angststörungen über Depressionen bis hin zu selbstverletzendem Verhalten und Suchterkrankungen oder Dissoziativen Identitätsstörungen. Da Betroffene das Erlebte meist sehr lange verschweigen sind die Folgen für Außenstehende zwar erkennbar, jedoch nicht zu erklären.

Den Missbrauch kann ich nicht mehr ungeschehen machen und die Folgeerkrankungen nicht leugnen, aber ich kann meine Zukunft gestalten und mein Leben aktiv wieder ins Gleichgewicht bringen.

Meine heutige Arbeit als Lauftherapeut und meine tiefes Verständnis für die Natur sind dabei meine Verbündeten.

Was hat sich bei mir positiv verändert?

Mit der Aufzählung aller positiven Auswirkungen des Laufens auf die Menschen mit ihren so unterschiedlichen Bedürfnissen kann man unzählige Buchseiten füllen. Hier werden nur die allgemein gültigen Vorteile und im Speziellen das, was ich an mir selbst beobachtet habe, beschrieben.

Körper

Die regelmäßige Belastung steigert das körperliche Wohlbefinden und schärft den Blick für die eigene Natur.

Geist

Das neue Körpergefühl und die gesammelten Selbsterfahrungen regen zu einer neuen geistigen Haltung an und verändert die einst gesetzten Prioritäten und verfolgten Ziele.

Seele

Die Erkenntnis, Laufen als Rückzugsmöglichkeit und als Quelle neuer Kraft zu nutzen, schafft eine innere Ruhe und Sicherheit und führt zu seelischem Gleichgewicht.

Aus der Praxis des Lauftherapeuten

Wer regelmäßig zwei mal pro Woche ausdauernd über eine Zeitspanne von mindestens 30 Minuten läuft, steigert dadurch seine körpereigenen Abwehrkräfte und das allgemeine Wohlbefinden. Läufer sind z.B. weniger anfällig für Erkältungskrankheiten.

Durch die Bewegung an der frischen Luft verbessert sich nicht nur die Sauerstoffversorgung des Körpers allgemein. Insbesondere die Nährstoffversorgung von Organen, Muskeln, Gelenken, Sehnen und Knochen ist deutlich erhöht. So bleiben sie geschmeidig, elastisch und flexibel.

Runners High

Das „Runners High“ von dem man immer wieder hört oder liest gibt es tatsächlich. Wer es einmal intensiv erlebt hat, ist auf dem besten Weg ein echter Läufer zu sein, denn dieses euphorisierende Gefühl will man immer wieder erleben. Das ausdauernde Laufen im Wohlfühltempo regt die Ausschüttung von körpereigenen Botenstoffen, den Hormonen an. Serotonin, Dopamin, und Endorphine sind „Glückshormone“. Sie erzeugen ein Hochgefühl, ein Wohlbefinden und haben eine entspannende und sogar stimulierende Wirkung. Parallel zum Anstieg der positiven Botenstoffe sinkt die Konzentration negativer Botenstoffe durch die Belastung. Dazu zählen in erster Linie die Stresshormone Adrenalin und Cortisol. Dies hat direkte Auswirkungen auf den Grad der Entspannung nach dem Laufen.

Anstrengung anstelle der chemischen Keule

Während meiner depressiven Phasen wirkt die Anstrengung des Laufens bei mir wie ein natürliches Antidepressivum, so dass ich auf die Einnahme von Medikamenten verzichten kann.

Das gesamte Herz-Kreislaufsystem wird gestärkt und stabilisiert. Der Herzmuskel wird trainiert und man kann eine gleichbleibende Leistung über einen längeren Zeitraum abrufen ohne gleich am Maximalpuls zu rangieren. Wenn man doch den Maximalpuls erreicht gelangt man wesentlich schneller wieder in den Bereich des angestrebten Trainingspulses zurück. Des Weiteren wirkt sich das Laufen positiv auf den Ruhepuls aus.

Gute Veränderungen stelle ich bei meiner Atmung fest. Ich habe sie allgemein gestärkt und das Lungenvolumen vergrößert, was meine Leistungsfähigkeit ebenfalls verbessert. Bedingt durch mein Asthma war ich unter Anstrengung wie Treppensteigen, lautes Sprechen etc. schnell kurzatmig. Dies hat sich durch das Lauftraining deutlich verbessert. Zugleich hat ich bei der Anwendung meines kortisonhaltigen Antiasthmatikums sowohl die Dosierung als auch die Häufigkeit der Einnahme deutlich reduziert.

Diäten sind sinnlos!

Nicht unerwähnt bleiben soll die Tatsache, dass die natürliche Bewegung des Laufens die Fettverbrennung anregt und steigert. Reine Diäten sind sinnlos, ohne körperliche Bewegung jedoch noch sinnloser, da sie nicht zum gewünschten Erfolg führen.

Durch die Kombination von regelmäßiger körperlicher Anstrengung und einer artgerechteren Ernährungsweise habe ich in den ersten beiden Jahren meines Läuferlebens 20 Kilogramm Gewicht verloren und das Niveau bis heute halten können. Ich habe dazu nie eine “Diät” gemacht und nie auch nur einen Tag hungern müssen.

Mit der Zunahme von Bewegung und dem spürbar verbesserten Fitnesszustand steigert sich das Interesse und das Bedürfnis an einer ausgewogenen und gesunden Ernährungsweise.

Warum ich Thomas und den Laufstall empfehle.
Das Geheimnis der Langsamkeit.

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