Das Geheimnis der Langsamkeit.

Laufen ohne zu schnaufen oder wie man zum Läufer wird.

Seitenstechen, Muskelkater, Rückenschmerzen, keuchen und schwitzen. Woran denkst du als untrainierter Nichtläufer, wenn dich jemand auf eine kleine gemeinsame Runde einlädt – auffordert, es doch wenigstens zu versuchen?

Von Jörg Schimitzek

Wie oft hast du es bereits probiert, dir vorgenommen etwas zu ändern, mehr Sport zu treiben und mit dem Laufen zu beginnen?

Aus unzähligen Angeboten das Passende herauszupicken, das den jeweiligen Bedürfnissen entspricht, ist für Laufinteressierte schwierig. Learning-by-doing in Eigenregie ohne Anleitung noch schwieriger. Für untrainierte Laufanfänger ist die Laufschule eines ausgebildeten und erfahrenen Lauftherapeuten eine hervorragende Wahl.

Auf einem leistbaren Level laufen.

Auf einem leistbaren Level laufen zu lernen, das ist der Wunsch eines Laufanfängers. Ein Lauftherapeut vermag diesen in die Praxis umzusetzen. Er wird ihn zwar fordern, aber niemals überfordern. Die Erfahrung und Fachkompetenz eines Lauftherapeuten im Umgang mit untrainierten Menschen ist für Interessierte, die das ausdauernde Laufen auf Gesundheits orientiertem Wege lernen wollen, von unschätzbarem Wert. Ich habe meine Ausbildung am Deutschen Lauftherapiezentrum (DLZ) absolviert und leite Laufeinsteiger in meiner »Laufschule Westerwald« seit einigen Jahren erfolgreich darin an, die Langsamkeit des Laufen zu entdecken.

Viele Menschen kennen das Problem – Laufen lernen im Selbstversuch. Sie wählen eine Strecke, auf der sie möglichst unbeobachtet sind. Man möchte sich schließlich nicht gleich beim ersten Versuch blamieren und dann laufen sie einfach los. Vor dem geistigen Auge stets die sportlich anmutenden, schneIlen Läufer, die jeder schon an sich hat vorbeilaufen sehen. Das Gefühl nach den ersten Schritten ist eher merkwürdiger Natur. Man weiß gar nicht ob das, was man tut und vor allem wie man es tut, gut und nachhaltig gesund ist.

Das eigene Tempo erscheint einem bei dem Gedanken an die erfahren flinken Läufer als völlig unzureichend. “So wird das ja nie etwas, so langsam läuft kein Mensch” resümiert man und steigert das Tempo in guter Absicht. Ergebnis: Abbruch, Totalschaden, laufen ist doof, anstrengend, macht keinen Spaß und außerdem soll es auch den Gelenken schaden, so sagt der Volksmund. So oder ähnlich gestalten sich häufig die ersten Schritte in ein kurzes Läuferdasein.

Ein Schritt nach dem anderen.

Ich kenne das Problem genau: “Wir haben allzu oft eine fixe Vorstellung davon, wie etwas zu sein hat. Dabei basiert diese Vorstellung weniger auf unseren eigenen Erfahrungen oder auf Tatsachen, als vielmehr darauf, was wir bei anderen beobachten, hinein interpretieren oder vom hörensagen kennen. Entscheidend beim Laufenlernen ist nicht was man tut, sondern wann man es tut.” Meiner Erfahrung nach ist es ratsam, sich als Laufanfänger zunächst eine solide gesundheitsorientierte Basis zu schaffen. Erst im zweiten Schritt, sollte man in ein sportliches, leistungsorientiertes Training einsteigen, sofern man überhaupt Spaß an Leistungswettkämpfen hat.

Was aber genau ist eine “solide gesundheitsorientierte Basis”? Zunächst sollte bewusst werden, dass Laufen eine komplexe Ganzkörper-Bewegung ist. Unser Körper ist ein perfekt organisiertes System. Er ist darauf bedacht, effizient, soll heißen energiesparend zu arbeiten. Wurde eine Bewegungsform wie die des Laufens lange Zeit, oder schlimmstenfalls seit der Kindheit nicht mehr ausgeführt, sieht unser Körper keine Notwendigkeit darin Reserven dafür vorzuhalten. Verdeutlichen kann man dies am Beispiel einer Beinverletzung. Nach einer längeren Ruhephase hat das Bein Muskulatur abgebaut und muss häufig durch Reha-Maßnahmen wieder neu aufgebaut werden.

Langsame Anpassung anstelle schneller Überlastung.

Will man langfristig verletzungsfrei laufen, muss der Körper vom ersten Schritt an behutsam an diese neue Belastung herangeführt werden. Wusstest du, dass Sehnen, Bänder, Gelenke, Muskeln und Knochen bis zu 18 Monate benötigen, um sich an die gesteigerte Beanspruchung anzupassen? Das Herz-Kreislauf-System hingegen reagiert dabei wesentlich schneller. Bereits nach 4 bis 6 Wochen hat man deutlich mehr “Puste”. Das verführt oft zum zu schnellen Laufen. Genau an diesem Punkt, an dem man vermeintlich schneller laufen kann, wird daher leider häufig der Grundstein für den späteren Abbruch des Lauftrainings in Form von Überlastungen und Verletzungen gelegt.

Nur ein bewusst langsam ausgeführtes Lauftraining über einen längeren Zeitraum in äußerst moderatem Tempo und mit niedriger Pulsfrequenz bringt dem untrainierten Laufeinsteiger den gewünschten langfristigen Erfolg. Die Zeit, die es zum Aufbau einer soliden gesundheitsorientierten Basis benötigt, ist abhängig vom Alter sowie der bisherigen Bewegungserfahrung und erfordert Geduld. Das Geheimnis liegt also in der Tat in der Langsamkeit.

Die Bewegungserfahrung ist entscheidend.

Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass jeder Mensch andere körperliche Voraussetzungen zum Laufen mitbringt. Diese sind geprägt durch Unfälle, Verletzungen oder einfach mangelnde Bewegung. Aber auch monotone Bewegungsabläufe am Arbeitsplatz und in der Freizeit sind maßgeblich beteiligt. Die Fähigkeit eine Bewegung über einen längeren Zeitraum aufrecht erhalten zu können ist sehr wichtig. Zudem die Fähigkeit den Bewegungsablauf des Laufens motorisch korrekt auszuführen. Das alles will geübt werden. Zu schwach ausgebildete Muskulatur, sowie Verkürzungen derselben und der Sehnen können sehr rasch zu Schmerzen im gesamten Körper führen. Oft wird das Laufen dann sogar als unmöglich wahrgenommen.

Es bedarf stets zusätzlicher, fein aufeinander abgestimmter Übungen zur Optimierung der Balance, der Koordination, der Beweglichkeit, der Muskelkraft sowie der Kraft-Ausdauer. Wenn diese einhergehen mit einer maßvollen Leistungssteigerung steht der dauerhaften Freude am Ausdauerlauf nichts mehr im Wege.

Wege aus der Krise – Laufen als Therapie
Paderborner Modell der Lauftherapie

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